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Müssen Yogis vegan leben?

Immer mal wieder werde ich gefragt, ob mein veganer Lebensstil etwas damit zu tun hat, das ich Yoga mache.

Bislang hatte ich mir noch nie viele Gedanken darüber gemacht. 

Ich befinde mich jetzt seit ca. 8 Jahren auf meinem Yoga-Weg, seit knapp 2 Jahren lebe ich vegan. Beides hat sich eher unabhängig voneinander entwickelt. Je tiefer ich aber in letzter Zeit in die Yoga-Philosophie eintauche, desto mehr merke ich, dass es für mich eine logische Konsequenz war, dass sich beides vereint.

 

Jetzt habe ich diese Gedanken mal zum Anlass genommen ein bisschen zu recherchieren um die Frage zu beantworten, ob Yogis tatsächlich vegan leben müssen.

 

Veganismus und Gunas:

 

Im Yoga werden 3 Eigenschaften der Welt, die sogenannten Gunas unterschieden: Sattva (Reinheit und Licht), Rajas (Aktivität und Bewegung) und Tamas (Trägheit und Dunkelheit).

In der Bhagavad Gita empfiehlt Krishna möglichst sattvig zu leben. Dies kann unter anderem auch durch die Nahrungsaufnahme erreicht werden.

 

Sattvige Ernährung hält den Körper gesund und erhebt das Prana (die Lebensenergie).

Sattvige Nahrungsmittel sind Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte.

Rajassige Nahrung macht unruhig. Sie bringt zwar kurzfristig Energie, raubt aber auf lange Sicht die Lebensenergie.

Rajassige Nahrungsmittel sind Kaffee, schwarzer Tee, weißer Zucker, sehr scharfe Gewürze und Eier.

Tamassige Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Alkohol sind für den Körper ungesund. Sie machen träge und stören den Geist bei der Meditation. 

 

Zu den sattvigen Lebensmitteln werden auch Milch und Milchprodukte gezählt. 

Das führt mich zum nächsten Thema.

 

Veganismus und Ahimsa:

 

In Patanjalis Yoga-Sutras findet sich als erstes und meiner Meinung nach wichtigstes Gebot (Yama) in Sutra 2.35

Ahimsa:

 

ahiṁsā-pratiṣṭhāyaṁ tat-sannidhau vairatyāghaḥ

 

Übersetzt heißt das:

 

Wenn man in der Gewaltlosigkeit fest gegründet ist, schafft man eine Atmosphäre des Friedens und alle, die in die Nähe kommen, geben die Feindschaft auf. (aus "Die Wurzeln des Yoga, O.W. Barth)

 

Ahimsa bedeutet also Gewaltlosigkeit oder Nicht-verletzen. Dies bezieht sich natürlich nicht nur auf die Menschen, denen wir begegnen, sondern auch auf alle anderen Lebewesen. Für mich bedeutet Ahimsa Verantwortung für alle Lebewesen zu übernehmen und keinem zu schaden. Ein Lebewesen zu töten widerstrebt mir. Dass ein Lebewesen getötet wird, damit ich es essen kann möchte ich nicht. Und genauso wenig möchte ich, dass ein Lebewesen für mich gequält wird. 

Jetzt könnte ich einen Vortrag darüber halten, warum für Eier, Milchprodukte oder Honig Lebewesen gequält werden, aber das soll hier nicht Thema sein. 

Vegane Ernährung ist die Ernährungsform, die aus sich heraus am wenigsten Leid erzeugt und somit hervorragend mit Ahimsa vereinbar ist.

 

Veganismus und Gurus:

 

Um Ahimsa zu entsprechen fordern die spirituellen Meister und alten Schriften hauptsächlich eine vegetarische Ernährung. Hier ein paar Beispiele:

 

Osho (1931-1990): "Wie kannst du liebevoll sein, wenn du Fleischesser bist? Wenn du Fleisch isst, ist Gewalt im Spiel. Und wie kannst du bei einer so tief sitzenden Gewalt liebevoll sein? Deine Liebe wird nur gespielt sein. [...] Wenn du deine Ernährung änderst, wenn du deine Körperhaltungen änderst, wenn du deine üblichen Gewohnheiten änderst, wirst du sehen, dass ein neuer Mensch in dir entsteht."

 

Paramhansa Yogananda (1893-1952): "Wenn Tiere getötet werden, hinterlassen sie Schwingungen von Angst, Wut und Leiden in ihrem Fleisch, welche sich auf den Geist des Verbrauchers auswirken."

 

Sadhguru (*1957): "In der Yoga-Tradition sagen wir immer du musst das essen, was genetisch am weitesten von dir entfernt ist. In diesem Sinne ist pflanzliches Leben am weitesten von uns entfernt."

 

Ramana Maharashi (1879-1950): "Nahrung beeinflusst das Denken. Für alle Yoga-Übungen ist vegetarische Kost notwendig, da sie den Geist sattvischer (reiner und harmonischer) macht."

 

"Nahrung, die ohne Geschmack, faul und gegoren ist und Nahrung, die aus Speiseresten und unberührbaren Dingen (wie Fleisch, Fisch oder Eiern) besteht, wird von denjenigen geschätzt, die sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit befinden." (Bhagavad Gita 17.10)

 

Und warum wird hier nur vegetarische und nicht vegane Ernährung empfohlen?

 

Das hat eindeutig was mit der Zeit zu tun, in der wir leben.

Im alten Indien galten Kühe als heilig, sie wurden verehrt, lebten mit in der familiären Gemeinschaft. Milch bekam man von der Kuh, wenn sie grad ein Kälbchen hatte. Getötet werden durften Kühe gar nicht. Die starben tatsächlich noch an Altersschwäche. Somit wäre das Gebot Ahimsa damals wohl erfüllt trotz Konsum von Milch.

Heute ist das ganz anders. Wir behandeln unsere Kühe wie Sklaven. Sie werden künstlich besamt um schwanger gehalten zu werden, sonst gibt es keine Milch. Direkt nach der Geburt wird ihnen das Kälbchen entrissen. Sie verbringen ihr kurzes Leben zwischen winzigem Käfig und sehr schmerzhaftem Melkprozess, da die Euter der überzüchteten Kühe prall gespannt sind. Das hat mit Ahimsa nichts mehr zu tun. 

Und sattvisch ist die Milch heute sicher auch nicht mehr. Sie ist belastet mit Hormonen, Wachstumsfaktoren und Antibiotika. Und wer es noch ein bisschen yogischer haben möchte addiert noch die feinstoffliche Belastung hinzu, die durch die Quälerei der Tiere entsteht. 

 

Und? Müssen Yogis nun vegan leben?

 

Wer bis hierhin gelesen hat, hat sicher festgestellt, dass ich die Frage für mich ganz klar mit "ja" beantworten würde. 

Zum Glück ist Yoga nicht so schwarz und weiß. Essen ist eine persönliche Entscheidung. Es gibt keine Doktrinen, die man einhalten muss um ein guter Yogi zu sein. Jeder ist auf seinem eigenen Weg, in seinem eigenen Tempo und erreicht Zeile auf eine andere Weise. 

 

In diesem Sinne...

 

Namaste

 

 

 

 

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